Stuttgart, mein Herz - von Sprechmusik, Bier und Primark.

28.10.2015

Freunde der Bauchfrei-Arschgeweih Fraktion,

manchmal, wenn ich Zuhause zu oft in den Spiegel geschaut habe oder ich einfach aus Langeweile nichts mit mir anzufangen weiß, packe ich meine beste Freundin, die Kamera ein und unternehme eine Foto-Tour mit mir selber. Immerhin habe ich selbst immer Zeit, wenn ich etwas unternehmen will (ich muss natürlich meinen Fotoapparat fragen, aber der hat zum Glück wenig eigene Freunde). 
Meinen letzten Tag mit mir selber möchte ich jetzt nutzen, um über meine unendliche Liebe zu meiner Heimatstadt zu referieren. Denn sind wir mal ehrlich, wir machen in so vielen Städten Urlaub und finden alles ganz toll und super kulturell, intellektuell odr sonstige Wörter, die Touristen gerne nutzen . Aber wer geht schon bewusst in die Stadt in der er wohnt und freut sich darüber? Eben, keiner! Wir nehmen den Wohnort einfach hin, obwohl es doch auch in der Stadt in der man lebt immer wieder neue wundervolle Sachen sehen. Zugegeben, seit meiner Kindheit hat sich hier so einiges Verändert (unter anderem ist der beste Club der Stadt gestorben und wurde unter gleichem Namen wieder aufgestellt, aber Neuverfilmungen oder Musikcover sind ja oft auch eher ein schwieriges Ding, von daher Trauer ich nach Jahren immer noch), aber früher war ja überall immer alles besser! 

Deshalb jetzt ein Liebesgeständnis an Stuttgart. Hallo Stuttgart, ich liebe dich.
Eigentlich würde ich es dabei belassen (hat auch einigermaßen viel Mut erfordert), aber dann hättet ihr Pfandflaschenmillionäre nicht viel davon. In diesem Sinne: Fabelhafte Dinge, die man hier tun kann und sollte!






















Im Grunde ist hier alles gut, solange es warm ist. Dann kann man nämlich auf der Karlshöhe oder dem Birkenkopf sitzen, dabei biertrinkend über Stuttgart blicken und sich den grundlegenden Fragen zur Philosophie des Lebens widmen. Auch am Marienplatz oder dem Schlossplatz geht dies ohne Probleme, nur halt ohne Sicht über die Stadt (dafür mit Sicht auf ganz viele Hipster).
Und wenn wir schon beim Biertrinken im Freien sind (natürlich gilt dies auch für Getränke, die keine bewusstseinserweiternde Substanzen enthalten, wir wollen ja hier nicht wie Trinker dastehen), muss ich auch den Palast der Republik erwähnen. Was hier nach einer monströsen Veranstaltung klingt, ist eigentlich nur ein ehemaliges Klohäuschen, das zu einer Bar umfunktioniert wurde. Auch wenn man meistens nur auf dem Boden zum sitzen kommt (tief drinnen sind wir doch alle ein bisschen Betonliebhaber), sieht man dort alles was die Menschheit hergibt. Von Punks über Anzugträger und freie-Liebe-Menschen bis hin zu unzähligen Studenten sitzt hier alles. Man könnte auch alleine kommen, ich könnte mir kaum vorstellen, dass man keinen adäquaten Gesprächspartner findet.

Trink- und tanzmäßig (auch bei Regen) findet man die einfachen Menschen Stuttgarts (ihr wisst schon, die, die nicht bei -20 Grad Freitagabends im Minirock und Highheels chillen) am Hans im Glück Brunnen. Der Brunnen ist eigentlich eher unspektakulär, gemessen an der Aufmerksamkeit die er bekommt, aber das drumrum ist dezent gut. Selbst wenn es in einer Bar dort doof sein sollte, man läuft zwei Schritte und geht in die nächste. Außerdem sei angemerkt, dass Stuttgart zu meinem Glück Hiphop-orientiert ist. Wer also Bässe und Sprechmusik mag, findet hier das Glück. 

Für alle nicht so tanzaffinen Menschen gibt es natürlich auch eine Menge an Kultur, Theatern, Museen und kleinen Arthouse-Kinos, die einen Besuch wert sind, aber das steht auch in Reiseführern.






















Um hier auch die Männer anzusprechen: es gibt auch ein Viertel, in dem Frauen an jeder Ecke stehen und alle Zahlungswilligen gerne zu sich einladen! Und das Praktische: Man kann auch als Mensch mit Brüsten ziemlich unbeschwert und ohne Probleme im Bohnenviertel (so heißt die lustige Gesellschaft) umherwandern. Ist nämlich auch so sehr schön da.

Weil die Stadt uns im letzten Jahr zwei Monster an Einkaufszentren geschenkt hat (Stichwort Primark. Ich raste aus, ist das jetzt geil hier!) gibt es jetzt auch genug zum Geld ausgeben. Wobei ich persönlich einen riesigen Bogen um das Milaneo mache (Primark und kreischende Teenager, die gerade 5 Teile für 10 Euro ergattert haben sind dann doch ein wenig zu viel für mein Ökoherz). Doch auch ohne Primark und seinen Schwestern gibt es hier wirklich schöne Orte zum Geld lassen.

Ach und zum Vorurteil Schwaben seien geizig oder sonstiges: Stuttgart ist gar nicht so schwäbisch wie man denkt. Klar, gibt’s hier immer wieder Menschen die einem im breitesten Dialekt die Welt erklären (zugegeben, ich finde es bei einigen sogar sehr charmant! Meiner Meinung nach sollten Dialekte absolut ein Revival erfahren!), aber die Mehrheit ist doch eher soweit wie möglich auf Hochdeutsch unterwegs und eher wenig eingefahren. Zudem wurde ich für meinen Teil schon so oft eingeladen, dass ich den Geiz doch kräftig suchen muss.


Tja Kinder, um hier jetzt keinen weiteren Roman mit Fremdwörtern zu schreiben, die ich selbst nicht verstehe, wars das erstmal zu meiner heißgeliebten Heimat. Sollte einer von euch Latzhosen sich einmal hier her verirren, Lena und ich sind zum Biertrinken und Geschichten erzählen am Start!

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