10.04.2013

Von Rauchvergiftungen und anderen WG Geschichten

Kinder, als ich zum studieren nach Köln zog war ich sehr naiv. Ich stellte mir das WG-Leben einfach vor, doch ich zog natürlich ausgerechnet in die Chaos-WG.


Die erste Ernüchterung kam beim Kennenlernen. Ich freute mich auf neue Bekanntschaften (ihr solltet wissen, ich liebe Dialekte! Ich könnte jeden Tag einen anderen Sprechen, nur das Schwäbische hängt mir langsam zum Hals raus). Was ich nicht erwartete, waren zwei Jungs aus der Heimat. Ich ziehe 400 Kilometer von Stuttgart weg und der Erste, der mir die Tür öffnet, spricht das breiteste Schwäbisch das ich je gehört habe. Felix kam aus der Weltmetropole Biberach. Sein Hobby: allen die es nicht hören wollten die Welt zu erklären. Ständig, überall und auf Schwäbisch.
Leo kam aus Karlsruhe.
Nur die Vierte im Bunde, Johanna, kam aus dem Norden. Genauer gesagt kam sie aus Spelle, einem minimini Dorf, das zwar eine Blaskapelle vorzuweisen hat (glaubt mir, ich musste mir jedes der Konzerte auf Dvd reinziehen, ha wunderschön!) aber sonst nicht viel. Johannas Lieblingsthemen: Saufen, Spelle, Kapelle, Spelle, Saufen (am liebsten Korn), ihr Freund (mit dem sie gerne säuft), Spelle, Spelle und zu guter Letzt: Spelle (wo sie gerne säuft). Wahnsinnig spannendes Örtchen.

Wir zogen alle gleichzeitig ein, weswegen wir lange ohne Möbel lebten. Zwar hatten wir jeder unser Zimmer ausgestattet, sonst war uns aber nicht viel eingefallen.

Ach, ich vergaß dass jeder einen Herd zum Hausrat beizutragen hatte. Und so saßen wir dann umgeben von 4 Öfen in der Küche auf dem Boden und aßen mit dem teuren Silberbesteck, das Felix geerbt hatte. Wir fühlten uns geradezu luxuriös mit dem edlen Silber und den Papptellern.

Zum Spülen mussten wir an die Badewanne, denn außer der Klospülung war dies der einzige funktionierende Wasseranschluss. Aber es wäre ein Wunder wenn sich hierbei nicht ein klitzekleines Problem dazugesellen sollte.
Das Problem hieß Freddy. Freddy war ein netter Kerl, den Felix in der Bahn aufgegabelt hatte. Er hatte keine Wg gefunden, deshalb gestatteten wir ihm huldvoll bei uns zu nächtigen. Wir ahnten ja nicht dass Freddy drei Monate bleiben sollte und die Badewanne als Schlafplatz wählen würde.

Weil sich die Pimmelträger des Hauses den Elektriker sparen wollten (und weil sie meinten sie seien total männlich), beschlossen sie den Herd selbst anzuschließen. "Des hen i scho fuffzga Mol gmacht!" klingt ziemlich vertrauenswürdig, oder?
Wieso sie dabei den schrottigsten Herd wählten (äh?wir hatten immerhin 4 Stück zur Auswahl) war nicht ganz klar, aber wenn Männer Feuer machen, soll man sie nicht stören.
Der Ofen roch nach dem Anschalten schon sehr seltsam aber Felix meinte "des isch normal, dass ebbes so aldes zerschtamol schtingt". Wir beschlossen die Ofentüre offen zu lassen; zum Durchlüften.
Denkste! Nachdem der Ofen nämlich gelüftet hatte, verabschiedete er sich mit einem riesigen Knall. Und wenn ich riesig schreibe, dann meine ich riesig! Irgendetwas ist durchgebrannt, es gab eine riesengroße Stichflamme dicht gefolgt von schwarzem Rauch. Johanna und ich taten das, was verantwortungsbewusste Menschen eben so tun: wir rannten durch die Wohnung und schrieen. Erst als Leo "Mädels, Feuer" rief, machte es Klick. Weil Freddys Schlafsack so praktisch in der Badewanne lag, musste er herhalten. Tja, so hatten wir einen Herd (und einen Holzklappstuhl der daneben gestanden hatte) weniger. Ab diesem Malheur haben wir lange in der Dönerbude unterm Haus gegessen zwecks geringerer Unfallgefahr.

Ein anderes Mal kam meine superschlaue Mitbewohnerin auf die Idee, die verstopfte Waschmaschine zu entleeren. Sie ließ das ganze (wohlgemerkt ekelhaft stinkende und schimmelnde) Abwasser im Bad auf den Fußboden ablaufen und wartete so lange in ihrem Zimmer. Ohne etwas darunter zu stellen. Bei einer 10 Liter Waschmaschine. Das war ein Spaß.

Die Jungs hatten ebenfalls grandiose Ideen.
Einmal kam ich nichtsahnend aus der Uni und sie schlichen schon ganz eigenartig grinsend durch die Wohnung. Dann eröffneten sie mir, dass das Geld, welches wir eigentlich gespart hatten, nun für einen Tischkicker draufgegangen war. Supersupersonderangebot bei Aldi.
Nachdem sie das Teil (wohlgemerkt in meinem Zimmer, wo anders war kein Platz aber so ein Schnäppchen kann man natürlich nicht auslassen!) aufgebaut hatten, standen sie noch eine Stunde davor und trommelten sich vor lauter Männlichkeit auf die Brust (oder so ähnlich) und verlangten nach Lob.

Unser Zwangsmitbewohner Freddy hatte auch wundervolle Eingebungen. So kamen wir in den Besitz eines 1 Meter hohen, 70cm breiten und 10 Kilo schweren Steines. Den hatte er nachts auf einer Baustelle mitgenommen. Das Teil stand dann neben dem Klo und keiner wusste was damit anzufangen. Aber laut Freddy war es echt klasse um seinen Laptop drauf zu stellen wenn man abends in der Badewanne noch einen Film zum Einschlafen schauen möchte.

Kinder, ihr werdet denken ich sei unspaßig, aber wenn man nach einem stressigen Unitag nach Hause kommt möchte man eigentlich seine Ruhe und nicht damit rechnen müssen dass die Wohnung nicht mehr steht.

Der absolute Kracher war unser Vermieter. Ein dubioser Grieche, der immer mal wieder für ein paar Monate verschwand. Deswegen mussten wir uns acht Wochen lang (ZWEI MONATE!) einen Hausschlüssel zu fünft teilen.
Als Leo und ich einmal Nachts vom Feiern nach Hause kamen und weder sturmklingeln noch anrufen die anderen wecken konnten, schlossen Leo und ich kurzerhand mit den Bahnhofsbänken Bekanntschaft und verbrachten eine sehr kalte Nacht auf ihnen.

Unser Vermieter, er hieß Jorgo, hatte außerdem die tolle Angewohnheit Dinge schlimmer zu machen. So ging zum Beispiel Leos Tür nicht mehr zu. Eigentlich wäre die Lösung ganz einfach gewesen aber nach einer zweistündigen(!) Inspektion hatten Jorgo und sein BruderCousinOnkel? es nur fertig gebracht ein riesiges Loch aus der Wand zu hauen. Sie drückten mir beim Gehen das Stück Wand in die Hand und versprachen es wieder zu kleben. So hatten wir eine kaputte Tür und eine kaputte Wand (und das letzte Mal als ich mit Leo telefoniert habe war dem immer noch so, man bemerke, 2 Jahre später). Herzlichen!

Jorgo brachte es auch fertig Wasserflecken an meiner Wand so zu überstreichen, dass die Flecken nicht mehr gelb, dafür aber strahlend weiß waren. Der Rest der Wand war es wohlgemerkt nicht.

Freunde der Bahnhofstoiletten, trotz hunderter solcher Vorfälle möchte ich meine WG-Zeit in Köln nicht missen (Johanna und Felix schon, die hatten nämlich mehr als nur eine unheimliche Eigenschaft). Trotzdem lernte ich daraus: ich werde nie wieder mit einem Mädchen zusammenwohnen. Am Liebsten alleine, dann muss ich mich wenigstens nur um meine eigene Dämlichkeit kümmern, damit habe ich schon alle Hände voll zu tun.

Kommentare:

  1. Ich denke so würde mein WG-Leben auch aussehen, wenn ich mich wirklich entscheiden sollte alle Leute, die mich sympathisch finden und jemals finden werden und mit mir zusammen wohnen wollen, zu vertreiben.
    Sehr amüsant dein Post.

    Achso, haste übrigens noch ein paar Musiktipps? Mit solch anspruchsvollen wie unseren kommt jede Neuerscheinung recht... hihi.

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    1. Habe dir gestern meine momentanen Favoriten gewidmet:)

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  2. Das ist ja mal der genialste Post den ich gelesen hab. Es passiert ja nicht oft, dass ich echte Tränen lache. Nach einer Minute Durchlachen stand ich dann übrigens kurz vor einem Asthmaanfall (Obwohl ich kein Asthma habe, wohlgemerkt!) und meine Schwester kam panisch in mein Zimmer und wollte wissen, warum ich solche komischen Geräusche mache. Danke, dass du meinen Scheisstag erheitert und gerettet hast!

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    1. Oh vielen, vielen Dank, du hast meinen Tag gerade auch gerettet:)

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