18.03.2013

Ein Interrail-Ticket und zwei Mädchen - Teil I

Freunde der nächtlichen Spaziergänge,
ich bin am Arsch. Also echt. Das liegt vor allem daran, dass ich die letzten drei Tage für die fabelhafte Designerin der Marke maronski auf der Blickfang Messe in Stuttgart arbeiten durfte. Es war wirklich lustig, wir haben fast durchgängig gelacht und an die 28639 Liter Red Bull getrunken. Aber nach drei Tagen durcharbeiten (und dauergrinsen) ist auch mal gut. Und so freue ich mich über meinen freien Tag und schmiede eifrig Urlaubspläne.


Zum Thema Urlaub: In meinem Barcelona Bericht hatte ich erwähnt, dass meine beste Freundin und ich nach dem Abi auf Reisen waren. Und wie immer war es mehr als chaotisch. Deshalb hier der erste Teil von "Wanderlust".

Tja Kinder, als wir beschlossen auf Interrail zu gehen, waren wir uns noch nicht bewusst dass zwei Idioten wie wir eigentlich besser auf einer Kinderferienfreizeit aufgehoben wären. Es fing damit an, dass meine Freundin A. darauf bestand, einen 5 Kilo schweren Campingkocher inklusive Köfferchen zu kaufen. Is klar, wenn man auf Abenteuerreise fährt braucht man natürlich zwei Herdplatten um seine 5 Gänge Menüs zu zaubern.

Wir trafen uns am Tag unserer Abreise am Hauptbahnhof. Leider hatten wir beide beschlossen, unseren gesamten Haushalt mitzunehmen (da war doch nicht etwa mangelnde Kommunikation im Spiel?). Und so sahen wir auch aus. Als unsere Väter uns unsere 25 Kilo schweren Rucksäcke auf den Rücken schnallen wollten, fielen wir erstmal um. Alter, keine Ahnung wie wir das überleben wollten, jedes Mal wenn wir versuchten die scheiß Teile aufzusetzen, kippte mindestens eine von uns nach hinten um. Ich glaube unsere Eltern hatten zu diesem Zeitpunkt so ihre Zweifel ob sie uns jemals wieder sehen würden.

Irgendwie schafften wir es in den Zug (fragt mich nicht wie) und nach einer schrecklichen Nachtfahrt kamen wir endlich um 6 Uhr morgens in Florenz an. Weil wir die totalen Sparfüchse sein wollten, kamen wir auf die beschissene Idee zu unserer Unterkunft zu laufen.
Hierbei merkten wir, dass man niemals (niemals!) Google Maps trauen sollte. Angegeben war nämlich ein 1 1/2 stündiger Fußweg, jajaja nicht. Wir liefen sage und schreibe 6 (!!!!) Stunden (okay, ziehen wir mal eine Stunde ab die wir mit hinfallen und pausieren verbrachten aber 5 Stunden mit meinem blöden Rucksack auf dem Rücken und dem noch blöderen Campingkocherkoffer in der Hand waren echt unlustig).

Wir hatten von Deutschland aus einen Platz auf einem Campingplatz reserviert der unheimlich günstig war (wir dachten ja wie gesagt ans sparen). In der Beschreibung hieß es: Schönes privates Hostel mit 37 Betten und einem weitläufigen Campingplatz.
Weil wir solche Wilderness-chicks waren haben wir natürlich den "Campingplatz" gebucht, total naturnah und so. Denkste! Als wir ankamen, wurden wir von einer alten, ungepflegten und unfreundlichen Frau empfangen, die meinte ihr Sohn sei bald da. Daniele, der Sohn und Betreiber des Hostels, war ein unsympathischer, ebenfalls ungepflegter und vor allem cholerischer Typ. Er bat uns herein. Kinder, ich weiß nicht ob ihr jemals so etwas sehen werdet. Das Haus war in einem Wort: ekelhaft. Es stank fürchterlich nach Rauch, Schweiß, Gammel, Füßen, Essen... uns kam ein ganzer Schwall entgegen und wir mussten aufpassen nicht zu würgen. Es stank nicht nur, nein, es war auch noch unglaublich dreckig. Und mit dreckig meine ich wirklich dreckig! Nicht ein "ich hatte eine Woche keine Lust zu putzen" - Dreck, sondern eine über Monate (wenn nicht sogar Jahre) angehäufte Mischung aus Staub, Kleintieren, Zigarettenstummeln, Spinnweben, vergammeltem Essen.. Das Klo/Bad war am schlimmsten. Der Toilettensitz war übersät mit ich-wills-gar-nicht-wissen (und davon reichlich!), die Kloschüssel war mit liebevollen braunen Spritzern dekoriert. Es gab keinen Duschvorhang und der Duschboden war ein einziger Schimmel. Vom Spiegel ganz zu schweigen, eigentlich hätte man ihn gleich abhängen können, man sah sich sowieso nicht.

Hart wie wir eben sind, beschlossen wir trotzdem die 5 Tage dort zu bleiben. Es war halt echt günstig und außerdem gedachten wir ja auf dem Campingplatz zu nächtigen. Nunja fast, der "weitläufige Campingplatz" entpuppte sich nämlich (was ein Wunder) als ein 2x2 Meter Stück Wiese hinterm Haus. Na gut, dachten wir, campen wir eben im Garten, Hauptsache nicht in dem schrecklichen Haus schlafen.

Wir waren nach unserer langen Wanderung echt müde und wollten nur eben das Zelt aufbauen und schlafen. Tja Kinder, was soll ich euch sagen, ich hatte schon böses geahnt als A. mich anrief um mir freudig von dem 16 Euro Aldizelt zu erzählen, dass sie erstanden hatte. Auf meine Frage für wie viele Personen es denn gedacht war, hatte sie "keine Ahnung, aber auf dem Bild sieht das echt riesig aus" geantwortet. Ich hätte es wissen müssen. Ich hab mir vor Lachen fast in die Hosen gemacht während wir das Zelt aufbauten. "Echt riesig" war daran nämlich nur der Opferfaktor. Das Zelt war am Eingang 1 Meter breit, verlief aber nach hinten schmäler, sodass es am Fußende nur noch 30 Zentimeter breit war. Weil wir uns so lieb haben dachten wir "Na gut, wird halt kuschelig". Leider hatten wir bei diesem Gedanken unsere Monster von Rucksäcken vergessen. Nachdem nämlich beide im Zelt verstaut waren, war dieses voll. Was haben wir Tränen gelacht, wir konnten unsere eigene Dummheit einfach nicht fassen. Nach ewigem rumprobieren, Rucksäcke stapeln, uns stapeln, fanden wir eine Lösung. Diese war zwar weit davon entfernt bequem zu sein (der scheiß Campingkocher lag auf mir und unsere Füße spielten Tetris miteinander), aber wir waren so erleichtert nicht im Freien, oder noch schlimmer im Haus, schlafen zu müssen!

So viel zum ersten Tag unserer Reise. Wenn ihr mich fragt hatten wir unser Desasterpensum nach 24 Stunden schon erreicht. Dem war nicht so. Und so folgten weitere 2 Monate voller Gelächter und Pannen..aber jetzt bin ich dazu zu müde. Ahoi!

Kommentare:

  1. Habe deinen blog gerade über das Kleiderkreisel-blogspiel (ich verfolge deinen blog.../ nicht, weil) gefunden und finde ihn ganz toll :)
    Wirklich schön, und den Brotaufstrich weiter unten werde ich mir morgen gleich mal machen!
    Würde mich freuen wenn du bei mir auch mal vorbeischaust ^^
    http://lounarossa.blogspot.de

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  2. Oh nein wie geil, ich will sofort weiter lesen :D Haha ich kann mir das so gut vorstellen. Meine beste und ich wären genau so bescheuert gewesen, das sag ich dir.

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