Ein Interrail-Ticket und zwei Mädchen - Wanderlust Teil II

25.03.2013

Freunde der Pünktchensocken,

wer nicht weiß worum es geht, hier der erste Teil. Für alle anderen, die voll die Stalker sind und bescheid wissen, geht es jetzt einfach lockerflockig und ohne Umschweife weiter:

Wir verbrachten also 5 Tage in unserem Minizelt im Garten des ekelhaftesten Hostels der Welt und versuchten uns dort so wenig wie möglich aufzuhalten. Denn erstens hatte die Mutter des Besitzers immer so tolle Ideen parat (wir sollten ihr zum Beispiel beim Schuhe anziehen helfen weil sie zu dick war um sich vorzubeugen, leider stank die Dame so dermaßen, dass wir schnell die Flucht ergriffen. Soviel zur Nächstenliebe, sorry dafür, ich bin manchmal ein wenig egoistisch) und zweitens litt der nette  Besitzer unter überraschend auftretenden Wutanfällen, weshalb er seine Mutter, uns oder die Putzfrau (fragt mich nicht was die dort getrieben hat, wahrscheinlich hat sie heimlich in den Zimmern gesessen und geraucht, auf die paar Zigarettenstummel mehr kam es eh nichtmehr an) anschrie.

Zum Zähneputzen oder Gesichtwaschen nahmen wir uns immer eine Flasche Wasser mit (tja, da musste das Spar-Gen kurzzeitig unterdrückt werden), weil wir der braune Brühe, die aus dem Wasserhahn kam, nicht so recht trauen wollten.
Das Duschen (zum Glück mit einigermaßen klarem Wasser, unsere Ansprüche sanken von Tag zu Tag..) gestaltete sich noch ein wenig abenteuerlicher. Wir kauften uns Flipflops (klar, Hauptsache den halben Hausstand mitgenommen aber wer denkt schon an Flipflops wenn er ans Meer will) um nicht barfuß auf dem verschimmelten Boden zu stehen. Außerdem gingen wir immer zu zweit ins Bad damit immer die, die nicht gerade unter der Dusche stand, das Handtuch und die frischen Klamotten halten und sich dabei über die Versuche der anderen lustig machen konnte. Wir hatten nämlich dezent Angst uns irgendwelche Krankheiten zu holen wenn wir irgendwas berührten. Einmal verlor ich in der Dusche das Gleichgewicht, aber weil ich mich auf keinen Fall an der dreckigen Wand abstützen wollte, fiel ich laut schreiend einfach um (Duschvorhang war ja eh nicht, aber ich hätte mich lieber abstützen sollen, denn so wurden nicht nur meine Hände, sonder auch mein halber Körper in Staub und klebrigem Bodenbelag gebadet, ziemlich lecker sag ich euch).

Ansonsten war Florenz aber wirklich schön, wir waren die totalen Supertouristen, die Abends um 8 schlafen gingen um Morgens so früh wie möglich (und vor allem unbeachtet vom Hausherrn und seiner Mutter) aus dem Drecksloch zu entkommen.

Nach 5 Tagen hielten wir es aber wirklich nicht mehr aus und wir beschlossen nach Frankreich zu fahren. Weil ich unbedingt vor dem Umsteigen Pipi machen musste, verpassten wir den Anschlusszug und mussten eine Nacht in Mailand übernachten. Ich sags euch, ich hätte lieber am Bahnhof geschlafen!

Weil wir nämlich immernoch auf dem Spartrip waren, buchten wir kurzerhand ein Zimmer mit 20 Betten. Keine gute Idee wenn man keine Oropax oder Nasenklammern hat! Was manche Menschen Nachts von sich geben und ausdünsten ist ziemlich furchteinflößend und nicht gerade förderlich für erholsamen Schlaf.

In der Juhe machten wir aber eine lustige Bekanntschaft: Ein junger Herr, Ende 20, aus Aserbaidschan, der alleine durch Europa tourte. Wir kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass der hübsche Mann in Aserbaidschan berühmt ist. Er moderiert dort Fernsehshows und wurde bei einer Castingshow entdeckt. Wir kamen also in den Genuss einer zweistündigen Vorführung, bei der der Gute uns sein ganzes Können präsentieren wollte. Kinder, das war ein Spaß. Zwischen Begeisterung und Fremdscham war bei uns alles an Gefühlen vertreten. Er sang mit erschreckend hoher Stimme Shakiralieder, tanzte uns irgendwelche Volkstänze vor und bewegte seine Hüften (ebenfalls verstörend weiblich) zu Sambamusik. Wir dachten schon er sei vom anderen Ufer (was natürlich nicht schlimm gewesen wäre), doch nach der ganzen Verausgabung beschloss er noch uns alle Bilder auf seinem Handy zu zeigen. Soweit so gut, doch diese Bilder zeigten leider nur entweder ihn oder seine Freundin (man bemerke es waren an die 300: er vor dem Auto, er beim essen, er mit Groupies, er beim tanken...seine Freundin beim Autofahren, seine Freundin beim Kochen, seine Freundin sich verspielt auf dem Bett räkelnd, seine Freundin beim Unterwäscheshoppen, seine Freundin auf dem Klo, seine Freundin beim Sex..) Ja Kinder, wir waren doch etwas verlegen, aber der Junge schien sich nicht daran zu stören seine Hobbypornografischen Fotos mit uns zu teilen. Und so wurden wir Zeugen ganz vieler Körperteile seiner Freundin, die wir nie hätten sehen wollen. Nunja, was soll der Geiz, yolo und so.

Anschließend sahen wir keinen anderen Weg als uns hemmungslos zu betrinken um das Ganze zu vergessen. Tja, das führte dazu dass wir uns erstens ewige Standpauken über Frauen und Alkohol anhören durften (in Aserbaidschan ist das wohl nicht so an der Tagesordnung) und dass wir zweitens natürlich den ersten Zug am nächsten Tag wieder verpassten. Passiert.

Weiter geht es dann irgendwann die Tage in Frankreich, bis dann Kinder!


1 Kommentar:

  1. Super :) Geb mir doch danach Rückmeldung, wie dir der Pinsel gefällt. Die Meinungen scheiden sich ja gewaltig.
    Liebste Grüße

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