11.02.2013

Aus dem Leben einer Karnevalshasserin...

Kinder, ich sags euch, kaum bringt man seine Bewerbungsunterlagen zur Post und ist froh sein Leben zurück zu haben, naht schon das nächste Übel: Karneval.
Auf meinem Weg nach Hause sind mir mindesten 3973289 Cowboys, Prinzessinnen und Piraten begegnet. Was ich bei Kindern ja noch einigermaßen süß finde, ist meiner Meinung nach für Erwachsene einfach nur grausam.

Ich war nicht immer ein Faschingshasser...bis ich nach Köln zog.

Freunde der gebatikten Unterhemden, das war definitiv kein Spaß.
An der Uni diskutierten und beratschlagten sich meine Kommilitonen schon Monate vor dem 11.11. was sie anziehen, wo sie trinken, wohin sie abends kotzen, ob sie lieber einen Tiger oder einen Piloten abschleppen (so oder so ähnlich). Schon da wusste ich dass das alles nichts für mich sein würde, aber spätestens als meine Freundin mir ihr selbstgenähtes Apfelkostüm (APFEL !) präsentierte, wars bei mir schon vorbei.


Nur leider ist das in Köln nicht so, dass man sich dem ganzen Spaß einfach mal locker entziehen kann. Nein, meine Mitbewohner planten schon eine Hausparty mit allen Studenten der Sporthochschule (natürlich bei uns, andere Menschen haben ja keine Wohnungen) und auch meine Freundinnen verfielen allesamt dem Rausch. Okay, dachte ich mir, jetzt wohnst du schon in Köln, einmal richtig Fasching muss schon drin sein. Gesagt getan, am 11.11. stand ich also um 8 Uhr (!!!) auf um mich fertig zu machen. Wäre ich in die Uni gegangen hätte ich zwei Stunden länger schlafen können, aber nein die Vorlesungen fielen alle zufälligerweise (na klar) aus. Die Ollen Partydozenten, da will mal ein Mensch lernen und dann..naja.



Schon unter der Dusche begannen meine Aggressionen. Auf wirklich jedem Radiosender lief ausnahmslos Karnevalsmusik. Echt super, morgens um acht zu "Am Dom zo Kölle – zo Kölle am Rhing, do klinge de Jlocke su prächtich un fing...." wach zu werden.


Ich riss mich dennoch zusammen und stieg in mein halbherziges Kostüm welches aus einer Jogginghose (über drei Strumphosen, Kinder am 11.11. ist frieren an der Tagesordnung!) und einem Tshirt meines Mitbewohners bestand, auf dem "Hopfen und Malz ab in den Hals" stand.



Um 10 Uhr gings dann zum Vorglühen in eine Wg in der wir niemanden kannten und wo der Gastgeber sich sympatischerweise als Assi verkleidet hatte (ja nee, ist ja nicht so, dass man früher noch als Indianer gegangen ist). Dort merkte ich, dass ich einfach nicht dafür gebaut wurde morgens um zehn schon drei Liter Bier zu trinken, Essen gab es natürlich nicht (warum auch).



Um 11 Uhr 11 war das Gejohle groß und die Sicht der meisten schon mehr als benebelt. Wir zogen weiter und ich kam mir vor wie der Babysitter einer Horde betrunkener Wrestlerinnen (ja, meine Freundinnen waren da ganz kreativ) die es sich zur Aufgabe gemacht hatten jeden Menschen in einem Tierkostüm auf einen Drink einzuladen. Inmitten von auf die Straße pissender, als Polizisten verkleideter Menschen, wahrlich kein Spaß.



Auf dem Neumarkt spielten "Die Höhner" was dem Ganzen die Krone der Grausamkeit aufsetzte. Außerdem froren wir alle unheimlich, aber mit irgendwo reingehen war nicht. Vor den Discos (plural?) in der Innenstadt waren meterlange Schlangen (man bemerke, wir reden hier immernoch von 12 Uhr Mittags) und wo man auch hinsah, man war umzingelt von knutschenden Bienchen und Blümchen.



Nachdem wir was gegessen hatten (endlich) wollten wir uns noch ein Bier gönnen, aber Pustekuchen! Nicht nur, dass der Rewe keine Glasflaschen verkaufte (sehr vernünftig!) nein, auch die letzte Pulle Plastikflaschenbier war ausverkauft. Da drin sahs aus als hätten die grad eine 50% auf alles Aktion gehabt.



Nachdem ich mir weitere 10 Minuten "die Höhner" angehört hatte und wir bei Viva Colonia gelandet waren, beschloss ich dass es an der Zeit war genug Karneval konsumiert zu haben. Tja, auch gar nicht so einfach wie man denkt. Ich musste geschlagene 2 Stunden auf eine Bahn warten, in die ich mich einigermaßen reinzwängen konnte. Ich war schon fast erleichtert auf dem Heimweg zu sein, als vor mir zwei Typen meine Aufmerksamkeit erregten, die nebeneinander eingeschlafen waren. Der eine, den Kopf an die Schulter seines Kameraden lehnend, beschloss dass es eine gute Idee sei sich zu übergeben. Und zwar nicht so, dass er seinen Kopf in eine andere Richtung geneigt hätte, nein er (entschuldigt) kotzte seinem Kumpanen direkt auf den Arm. Dieser schlief seelenruhig weiter.



Kinder, ich habe ihn meinem Leben noch nie so etwas widerliches gesehen! Zuhause angekommen begrüßte mich mein als Pirat verkleideter Mitbewohner, der gemütlich auf unserem Tischkicker lag (ist natürlich bequemer als ein Bett, is klar) und schnarchte was das Zeug hielt.



Hier endet mein Ausflug in die Abgründe der menschlichen Spezies. Einmal und nie wieder, auch wenn es den Faschingsliebhabern unter euch nicht schlimm erscheinen mag.

Kommentare:

  1. du sprichst mir aus der seele!!! ich bin für genau 10 minuten aus dem haus, eine bratwurst holen und dann wieder ins bett. es ist zu kalt und zu suffig, als ich 15 war, war karneval noch witzig, mittlerweile nurnoch kalt und prollig.

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    1. Haha, ich wusste nicht dass jemand anderes auch so denkt, ich habe das Gefühl von Karnevalverehrern umgeben zu sein, und das in stuttgart! Ich hoffe du wohnst nicht in Köln :D

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  2. Ich würde mich zwar nicht gleich als Karnevals-Hasserin bezeichnen, aber ich bin doch sehr froh, dass ich hier in München die Wahl habe und dem Ganzen aus dem Weg gehen kann.
    Nachdem ich sehr selten mit den Öffentlichen fahre und in einer ruhigen Ecke wohne, habe ich dieses Jahr überhaupt nicht mitbekommen, dass Fasching ist/war.

    Die gute Nachricht für dich? Morgen ist's geschafft! :-)

    LG Ellen von http://klug-geschlussvolkert.de

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    1. Haha, ja das ist auch einer der Gründe wieso ich froh bin wieder nach Stuttgart gezogen zu sein, hier ist es ruhiger:)

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  3. Tolle Bilder. Ich will den Sommer, jetzt!!
    Ich mag deinen Blog ;) Liebste Grüße, Jasmin

    http://lifemeetsdreams.blogspot.de/

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  4. Deswegen würde ich niemals nach Köln ziehen.

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    1. naja, an sich isses da ja schon ganz schön:)

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  5. Scheiße :D Ich kann es mir so gut vorstellen!! Ich habe auch ein einziges mal (ich wurde gezwungen!!) Karneval in Köln gefeiert, es war der a b s o l u t e Horror. Ich wusste nicht was schlimmer war, ich als Bratwurst verkleidet, oder ich umzingelt von betrunkenen überall hinkotzenden Halbstarken.
    Furchtbar.
    Ich sehe nach jedem Post das wir uns doch sehr ähnlich sind :D

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    1. Woah ey, alte ich glaub hätte ich dich als Bratwurst gesehen wäre mein Tag um einiges besser verlaufen:)

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